Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg im Westen Berlins. In den 1950er Jahren entdeckte die US-Armee den Berg als hervorragenden Standort für eine Abhöranlage. Die anfangs mobile Installation zur Überwachung des Luftraums – insbesondere der drei Flugkorridore zwischen Berlin und der Bundesrepublik – wurde bald durch feste Gebäude abgelöst, es entstand die Field Station Berlin Teufelsberg. Dazu wurden mit der Zeit fünf Antennenkuppeln errichtet, die Überwachungsaufgaben zur Zeit des Kalten Kriegs bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes über-nahmen. Die Anlage auf dem Teufelsberg wurde nun hauptsächlich von der National Security Agency (NSA) betrieben und diente als Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die elektronischen Einrichtungen der Anlage entfernt. 1991 zogen Amerikaner und Briten ab. Die Gebäude blieben stehen bzw. wurden sogar erneuert und neue Radaranlagen installiert, denn sie konnten bis 1999 zur zivilen Luftüberwachung des Flugverkehrs genutzt werden. Als Besitzer des 4,7 Hektar großen Areals der Abhörstation verkaufte es der Berliner Senat für 5,2 Millionen Mark an die Kölner Investorengemeinschaft Teufelsberg KG (IGTB). Ein Architektenbüro führte in deren Auftrag 1998 Planungsarbeiten für die Errichtung eines Hotels mit Tagungszentrum, eines Spionagemuseums, exklusiver Wohnungen und einer Gaststätte durch. Das Bauprojekt scheiterte wegen des massiven Widerstandes von Umweltschützern und an den explodierenden Baukosten, der Investor meldete Insolvenz an. Aus finanziellen Gründen gab der Senat die Bewachung auf, was zu massivem Vandalismus führte. 2005 erließ die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine Rechtsverordnung, mit der sie den bisher geltenden Vorhabens- und Entwicklungsplan aufhob. Damit war und sind private Bauvorhaben auf dem Teufelsberg nicht mehr möglich. Erst im Jahre 2010 gelang es dem damaligen Pächter, eine organisierte Struktur und Möglichkeiten zu schaffen und das Gelände wieder einem geregelten Besuchsbetrieb zugänglich zu machen. Dieser war es auch, der die Graffiti-Galerie, größte Galerie Europas, die sich auf dem Gelände befindet, initiierte. Im Jahre 2015 verließ er die Field Station, die nun von dem neuen Pächter verwaltet und entwickelt wird.

 

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